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Bundesministerien legen Eckpunkte für Nationale Biomassestrategie vor - Bioenergieverbände warnen

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaBerlin - Die Bundesregierung möchte im nächsten Jahr die Nationale Biomassestrategie verabschieden und damit die Grundlage für eine nachhaltige Nutzung von Biomasse aus der Wald-, Landwirt- und Abfallwirtschaft schaffen. Von den Bioenergieverbänden kommt Kritik an den jetzt vorgelegten Eckpunkten.

Die aktuelle Biomassenutzung steht aus Sicht der Bundesregierung häufig in Konkurrenz zu der im Bundes-Klimaschutzgesetz verankerten Stärkung der Klimaschutzleistung natürlicher Ökosysteme, zu Zielen des Umweltschutzes, der agrar-ökologischen Wende sowie der Nahrungsmittelerzeugung. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung ihr Eckpunktepapier für eine Nationale Biomassestrategie entwickelt. Die Eckpunkte dienen als Grundlage eines sich nun anschließenden Dialoges zwischen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Die neue Strategie soll im Jahr 2023 verabschiedet werden.

Nachhaltig verfügbares Biomassepotenzial, Erhalt von Ökosystemen und Food-First-Prinzip bilden Handlungsrahmen
Das Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK), das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und das Bundesumweltministerium (BMUV) haben Eckpunkte für eine nationale Biomassestrategie vorgelegt. Ziel der Strategie ist es, in Deutschland eine nachhaltige Biomasseerzeugung und -nutzung sicherzustellen, die sich konsequent an den Klima-, Umwelt- und Biodiversitäts-Zielen orientiert. Dabei bilden das nachhaltig verfügbare Biomassepotenzial, der Erhalt natürlicher Ökosysteme und das Food-First-Prinzip den Handlungsrahmen, so die drei Ministerien.

Die Bundesregierung möchte auf der Grundlage der Eckpunkte im Dialog mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft eine nationale Biomassestrategie erarbeiten, die im kommenden Jahr verabschiedet werden soll. Die Strategie ist darauf ausgerichtet, mittel- und langfristig Perspektiven für die Nutzung von Biomasse aufzuzeigen. Fragen der kurzfristigen Rolle der Bioenergie im Kontext der Energieversorgungssicherheit stehen dabei nicht im Fokus der Strategie.

Mit der Strategie soll außerdem dem erhöhten Nutzungsdruck - etwa auf Naturschutzflächen- und der Konkurrenz um Flächen, etwa zur Lebensmittelerzeugung, begegnet werden. Außerdem soll die im novellierten Bundes-Klimaschutzgesetz verankerte Stärkung der Klimaschutzfunktion natürlicher Ökosysteme wie Wälder und Moore mit der Strategie erreicht werden.

„Auch wenn sie natürlichen Ursprungs ist und ein erneuerbarer Rohstoff ist: ihr Einsatz ist nicht per se klima- und umweltfreundlich. Biomasse ist auch nur begrenzt verfügbar. Also brauchen wir Regeln für einen nachhaltigen Umgang. Die dafür nötigen Leitplanken schaffen wir mit der Biomassestrategie“, so Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck über den Stellenwert der neuen Strategie. „Mit Blick auf weitere notwendige Anstrengungen zur Ernährungs- und Energieversorgungssicherung und zum Schutz des Klimas und der Biodiversität ist die Nationale Biomassestrategie ein wichtiges Instrument, um nachhaltig erzeugte Biomasse gezielt und systemdienlich nutzbar zu machen und ihre Potenziale zu sichern“, erläutert Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. „In Zukunft wird die Nachfrage nach Biomasse steigen. Zugleich ist das nachhaltig verfügbare Potenzial weltweit begrenzt. Umso wichtiger ist es, strategische Leitprinzipen für die nachhaltige Biomasseerzeugung und -nutzung aufzustellen, um mehr Anreize und Vorgaben für einen nachhaltigen Biomasseeinsatz zu setzen“, ergänzt Bundesumweltministerin Steffi Lemke.

Bioenergieverbände: Biomassestrategie darf Potenziale und Vorteile der Bioenergie für künftiges Energiesystem nicht gefährden
Die Bioenergieverbände reagieren über ihr Hauptstadtbüro Bioenergie in Berlin kritisch auf den von den Bundesministerien vorgelegten Eckpunkte-Entwurf. Die Biomassestrategie wird ausdrücklich als Mittel- bis Langfriststrategie angekündigt. Grundsätzlich sollte jedoch kein Vorrang der stofflichen vor der energetischen Nutzung festgeschrieben werden, da für qualitativ unterschiedliche Biomassesortimente auch unterschiedliche Verwertungspfade benötigt werden, heißt es von den Verbänden.

Sie betonen, dass die Bioenergie dort als Problemlöser auftritt, wo andere Klimaschutztechnologien an ihre Grenzen kommen. So sorge die Bioenergie für eine Bereitstellung gesicherter sowie flexibler Leistung im Zuge des Kohle- und Atomausstiegs. Perspektivisch ersetze Bioenergie nicht nur fossile Energieträger, sondern könne als einzige erneuerbare und nachhaltig zertifizierte Energieform entlang der gesamten Nutzungskette CO2 binden und dauerhaft speichern.

Im Fokus der zukünftigen Entwicklung der Bioenergie sollte aus Sicht der Verbände daher eine geschickte Kombination mit anderen Klimaschutztechnologien zur Hebung bestehender und im Eckpunktepapier nicht aufgeführter Synergien stehen. Darüber hinaus könne innovativ genutzte Anbaubiomasse zukünftig einen wertvollen Beitrag zum Klima- und Artenschutz leisten sowie gleichzeitig der Nahrungsmittel- und Energieproduktion Rechnung tragen.

Die Bioenergieverbände fordern von der Bundesregierung, bei der Nationalen Biomassestrategie mit Augenmaß und Fachlichkeit vorzugehen, sodass die inzwischen erreichte gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Bioenergiesektors für den ländlichen Raum nicht gefährdet, sondern auch technologisch innovativ weiterentwickelt wird. Zudem müsse der Dialogprozess dem Aspekt Rechnung tragen, dass die Bioenergie unverzichtbar für die Erreichung der Energiewende im Ganzen sei.


© IWR, 2022


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11.10.2022

 



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