Strom: 1,4-GW-Stromleitung NeuConnect zwischen Deutschland und Großbritannien tritt in entscheidende Bauphase ein
© AdobeWilhelmshaven - Die erste direkte Stromverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien kommt planmäßig voran. Sowohl an Land als auch auf See wurden in den vergangenen Wochen zentrale Baufortschritte erzielt.
Die neue Stromverbindung NeuConnect soll den direkten Stromaustausch zwischen Deutschland und Großbritannien ermöglichen und zur Versorgungssicherheit in beiden Ländern beitragen. Mit einer Kapazität von 1,4 Gigawatt (GW) können bis zu 1,5 Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden. Die Leitung soll 2028 in Betrieb genommen werden und ergänzt die großen Übertragungsnetzausbauprojekte in Deutschland.
Baufortschritt in Deutschland
Am deutschen Standort nahe Wilhelmshaven, konkret im Bereich Fedderwarden, laufen die Vorbereitungen für die Konverterstation parallel zu den Offshore-Arbeiten weiter. Zentrale technische Komponenten sind bereits in der Umsetzung: Für die Anlage werden insgesamt sieben Großtransformatoren benötigt, die den Stromfluss zwischen den Netzen beider Länder ermöglichen. Die jeweils mehr als 200 Tonnen schweren Anlagen gelten als Schlüsseltechnologie für die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ). Die Fertigung und Logistik dieser Komponenten unter anderem aus Deutschland ist angelaufen und sichert den weiteren Baufortschritt auf deutscher Seite.
Baufortschritt in UK und in der Nordsee
Im britischen Isle of Grain hat der Bau der Konverterstation eine entscheidende Phase erreicht: Die Gebäudestrukturen sind inzwischen auf ihre volle Höhe gewachsen. Die rund 24 Meter hohen Konverterhallen, in denen später der Strom zwischen Gleich- und Wechselstrom umgewandelt wird, stehen im Rohbau, während die Verkleidungsarbeiten bereits laufen.
Auch auf See schreiten die Arbeiten voran. Nach einer winterbedingten Pause wurden die Kabelverlegungen wieder aufgenommen. In britischen Gewässern installiert derzeit ein Spezialschiff weitere Abschnitte der insgesamt rund 725 Kilometer langen Unterseekabel. In den kommenden Monaten sollen über 140 Kilometer Kabel verlegt werden, bevor die Arbeiten in Richtung Niederlande und schließlich Deutschland fortgesetzt werden.
Rückendeckung erhält das deutsch-britische Stromleitungsprojekt auch von der britischen Regulierungsbehörde Ofgem. Deren Führung besuchte kürzlich die Baustelle, um sich ein Bild vom Fortschritt zu machen. Interkonnektoren wie NeuConnect seien entscheidend, um überschüssigen Strom exportieren und bei Bedarf importieren zu können, betonte die Behörde.
Über die deutsch-britische Stromleitung NeuConnect
NeuConnect wird auf einer Länge von etwa 720 Kilometern die Übertragungsnetze Deutschlands und Großbritanniens miteinander verbinden. Die Stromverbindung verläuft vom Umspannwerk auf der Isle of Grain in der Grafschaft Kent zum Netzanschlusspunkt Fedderwarden im Stadtgebiet von Wilhelmshaven. Dabei quert sie die Hoheitsgebiete Großbritanniens, der Niederlande und Deutschlands. Die Länge des deutschen Teils beträgt rund 193 Kilometer. In der Nordsee wird die Leitung als Unterseekabel, an Land in Deutschland als Erdkabel realisiert.
Das Projekt mit einer Übertragungskapazität von 1,4 Gigawatt hat ein Investitionsvolumen von rund 2,8 Milliarden Euro und wird privat finanziert. Zu den Investoren zählen unter anderem Meridiam, Allianz, Kansai Electric Power und Tepco.
Die Gleichstromverbindung wird es ermöglichen, Elektrizität flexibel in beide Richtungen zu transportieren, und gilt als wichtiger Baustein für die Integration erneuerbarer Energien sowie für mehr Versorgungssicherheit in Europa.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen liegt der Bau weiterhin im Zeitplan. Die Stromleitung soll 2028 zeitgleich mit weiteren großen Netzausbauprojekten in Deutschland in Betrieb gehen (Ultranet 2026, A-Nord 2027, SuedLink und Suedost-Link 2028). Mit den sichtbaren Fortschritten an Land und auf See nimmt eines der größten europäischen Energieverbindungsprojekte zunehmend Gestalt an.

© IWR, 2026
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