Verband: Zweifel an Weltbank-Studie zu Biokraftstoffen - EU-Klimaziel soll jetzt mit Elektroautos erreicht werden
VDB: weltweite Missernten und Spekulationen für Preissteigerungen verantwortlich
Schließlich sprächen aus VDB-Sicht viele Gründe dafür, dass Biokraftstoffe nur einen geringen Anteil an der Preissteigerung für Lebensmittel der vergangenen Monate ausmachen. Zum Beispiel habe die weltweite Verwendung von Getreide für die Herstellung von Biokraftstoffen gemessen am gesamten Verbrauch nur einen geringen Anteil von deutlich unter fünf Prozent. Etwa 35 Prozent werden weltweit als Futtermittel verbraucht, knapp 60 Prozent als Nahrungsmittel und Saatgut. „Ob eine Nachfragesteigerung von etwa fünf Prozent einen Preiseffekt bei Getreide von 75 Prozent hat, wie die Studie nach ersten Meldungen aussagt, ist zweifelhaft“, sagt Sauter. Verantwortlich seien nach Angaben von Experten vielmehr weltweite Missernten in den letzten Jahren – auch in Europa. Auch die Finanzmärkte spielten eine wichtige Rolle: Spekulationen auf die Preise seien offenbar ein lohnendes Geschäft für milliardenschwere Fonds geworden. Deren Einstieg habe die Nachfrage weiter gesteigert, was die Preise nach oben treibe.
Als weitere Ursache für den Preisschub sehen Experten unter anderem die höheren Energiekosten für die agrarische Produktion. „Mineralöl ist der eigentliche Preistreiber der vergangenen Monate, in nur sechs Monaten hat sich der Ölpreis verdoppelt. Im Herbst wird Gas voraussichtlich noch einmal 50 Prozent teurer“, sagt Sauter.
EU-Klimaschutzziele mit Biokraftstoffen und Elektrofahrzeugen
Gleichzeitig haben sich EU-Energieminister am Wochenende aufgrund der Kritik an Biokraftstoffen gegen den Vorschlag der EU-Kommission ausgesprochen, bis 2020 ausschließlich den Biosprit-Anteil am Treibstoffverbrauch auf zehn Prozent bis 2020 steigern zu wollen. Die Biosprit-Vorgaben sind Teil des Klima- und Energiepakets, mit dem die EU ihren Treibhausgasausstoß bis 2020 um ein Fünftel senken will. Dieses Ziel solle sich in Zukunft nicht mehr nur auf Biosprit, sondern auch auf Elektroautos beziehen, sagte der französische Umweltminister Jean-Louis Borloo. Dafür müssten allerdings Elektro- oder Wasserstoffautos bis 2020 wettbewerbsfähig werden. Nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur (EEA) könnte die EU nur einen kleinen Teil des geplanten Einsatzes von Biokraftstoffen selbst produzieren und sei deshalb in erster Linie auf Importe angewiesen.
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Quelle: iwr/07.06.2008/
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