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Unklares technisches Problem an der Strombörse EPEX Spot führt zum Strompreis-Schock in Deutschland, update

© Adobe/Fotolia© Adobe/FotoliaParis – An der Strombörse EPEX Spot mit Sitz in Paris sorgte ein bisher noch unklarer technischer Fehler teilweise für Strompreis-Kapriolen im kurzfristigen Stromhandel, mit erheblichen Folgen. Für die Stromlieferung am Folgetag (26.06.2024) mussten für das deutsche Liefergebiet im Day-Ahead-Handel zu einigen Stunden-Intervallzeiten Strompreise von bis zu 2,33 Euro pro Kilowattstunde bezahlt werden. Der Intraday-Handel war von der Panne nicht betroffen.

Bisher noch nicht identifizierte technische Probleme an der Strombörse EPEX Spot haben am 25. Juni 2024 dazu geführt, dass die länderübergreifende Auktionssitzung für den Day-Ahead-Stromhandel im Rahmen des Marktkopplungsverfahrens nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden konnte. Der Lenkungsausschuss für die Marktkopplung (MCSC) hat eine eingehende Untersuchung eingeleitet, die allerdings laut EPEX Spot einen Monat lang andauern soll. Auch in der Vergangenheit kam es bereits zu technischen Problemen bei der länderübergreifenden Marktkopplung, die Folgen sind ähnlich.

Strompreise Deutschland: Technischer Ausfall an der EPEX Spot mit großer Wirkung für einige wenige Stunden
Laut einer Mitteilung der EPEX Spot vom 27.06.2024 traten während des Marktkopplungsprozesses der Länder bzw. Gebotszonen am 25. Juni 2024 für das Lieferdatum 26. Juni 2024 (Day-Ahead-Handel) technische Probleme auf, die zu einer teilweisen Entkopplung führten. Dies betraf die Länder bzw. Gebotszonen Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden. Auch die Auftragsbücher von EMCO – Nord Pool (Nordec CCR & Baltic CCR), EPEX Spot (Nordische CCR & CORE) und mehrere Interkonnektoren waren danach abgekoppelt.

Der Vorfall wurde durch lokale Probleme an der EPEX Spot verursacht, die verhinderten, dass die Auftragsbücher der EPEX Spot vor Ablauf der operativen Frist eingereicht werden konnten. Soviel steht fest. Das Problem konnte auch nicht innerhalb der zeitlichen Frist für die Gebotsverfahren gelöst werden.

In der Konsequenz musste die EPEX Spot einzelne separate Auktionen durchführen. In der Folge kam es dann im Liefergebiet Deutschland zum Liefertermin 26.06.2024 für einige wenige Stunden zu extrem hohen Preisausschlägen. Lag der Börsenstrompreis für die Lieferung am 26.06.2024 um 2 Uhr nachts noch bei 28 Cent/kWh, kletterte der Strompreis in den Folgestunden der Nacht zunächst bis zum Stundenintervall 06-07 Uhr auf 2,33 Euro pro kWh und fiel danach bis 09 Uhr wieder auf 9,8 Cent/kWh zurück.

Nach einer anschließenden Talfahrt der Börsen-Strompreise bis auf rd. 0 Cent/kWh im weiteren Tagesverlauf des 26.06.2024 kam es anschließend zu einem zweiten Strompreis-Peak um 20 Uhr (1,80 Euro/kWh). Bis 24 Uhr fiel der Strompreis dann wieder auf 9,6 Cent/kWh.
Die Auktion am 26.6.2024 (Handelstag) konnte dann wieder normal in einem vollständig gekoppelten Modus durchgeführt werden.

Technische Probleme im Marktkopplungsprozess schon früher aufgetreten
Schon in der Vergangenheit hat es im kurzfristigen Stromhandel an der EPEX Spot technische Probleme im einheitlichen Marktkopplungsprozess (SDAC) mit ganz ähnlichen Auswirkungen (Entkopplung) gegeben. So hatte in einem früheren Fall beispielsweise ein kurzzeitiger Stromausfall im primären Rechenzentrum der EPEX Spot zu Instabilitäten in der Kommunikation zwischen ETS (Handelssystem von EPEX Spot) und der zentralen Datenbank geführt. Während der Sitzung blieb das Handelssystem instabil und führte zu Verzögerungen und Schwierigkeiten bei der Übermittlung von Aufträgen.

In einem anderen Fall löste eine fehlerhafte Order, die unbeabsichtigt in das Handelssystem der EPEX Spot eingegeben wurde, ebenfalls eine teilweise Entkopplung aus.

Keine Auswirkungen für Kunden mit festen Stromtarifen
Die negativen Auswirkungen der technischen Börsenpanne beschränken sich auf wenige Stunden des 26.06.2024. Stromkunden mit flexiblen Strompreisen können beispielsweise betroffen sein, wenn sie zu dieser Zeit ohne eingestelltem Preislimit das E-Auto geladen haben. Gewerbliche Anbieter sind dann betroffen, wenn sie den Strom über den Großhandel und nicht über fixe Stromkontrakte beziehen. Normale Haushaltskunden mit festen Stromtarifen sind von den Strompreisschwankungen nicht betroffen.

Über die europäischen Strombörsen EPEX Spot in Paris und EEX in Leipzig
Die europäische Strombörse EPEX Spot SE (European Power Exchange) ist eine Gesellschaft europäischen Rechts mit Sitz in Paris und Niederlassungen in Amsterdam, Berlin, Bern, Brüssel, London und Wien. Die EPEX Spot ist auf den kurzfristigen Stromgroßhandel in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden und der Schweiz spezialisiert.

An der EEX (European Energy Exchange) mit Sitz in Leipzig werden - im Unterschied zum kurzfristigen Stromhandel an der EPEX Spot mit Sitz in Paris - die langfristigen Stromliefervereinbarungen ("Terminkontrakte" oder "Futures") gehandelt.

Aktueller Hinweis zur Meldung und zum Update v. 28.06.2024
In einer früheren Version hatten wir über die Ursachen der technischen Probleme berichtet, die aber einen Fall aus der Vergangenheit betroffen hat. Im Ergebnis sind die Folgen allerdings in allen Fällen gleich: durch technische Probleme kann kein einheitliches, länderübergreifendes Auktionsverfahren vollständig mit den Marktteilnehmern durchgeführt werden. In der Folge müssen für einzelne Länder bzw. Gebotszonen separate Auktionen durchgeführt werden, die dann zu temporären Preisverwerfungen führen können.

© IWR, 2024


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