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BMWi und BMVI starten milliardenschwere Wasserstoff-Förderung für deutsche Projekte

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaBerlin - Die Bundesregierung und die EU setzen zur Erreichung der Klimaschutzziele auf den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Über 60 Projekte aus Deutschland sollen zu einer erfolgreichen Umsetzung der Energiewende in Deutschland und Europa beitragen.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und das Bundesverkehrsministerium (BMVI) haben in der letzten Woche aus über 230 eingegangenen Projektskizzen 62 Wasserstoff-Großprojekte ausgewählt, die im Rahmen eines gemeinsamen europäischen Wasserstoffprojekts (sog. Wasserstoff-IPCEI - Important Projects of Common European Interest) staatlich gefördert werden sollen. Sie setzen damit eine wichtige Maßnahme der Nationalen Wasserstoffstrategie um.

Über 8 Milliarden Euro Förderung für nationale Wasserstoff-Projekte
Für die von BMWi und BMVI ausgewählten 62 nationalen Wasserstoff-Projekte werden insgesamt über 8 Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung gestellt. Rund 4,4 Mrd. Euro kommen vom BMWi; bis zu 1,4 Mrd. Euro aus dem BMVI. Die übrigen Fördermittel stammen von den Bundesländern. Insgesamt sollen Investitionen in Höhe von 33 Mrd. Euro ausgelöst werden, davon über 20 Mrd. Euro von privaten Investoren.

Im Bereich des BMWi wurden 50 Projektskizzen ausgewählt. Darunter sind Projektskizzen für Erzeugungsanlagen, die in Summe über 2 Gigawatt Elektrolyseleistung für die Produktion von grünen Wasserstoff umfassen. Dass entspricht 40 Prozent des in der Nationalen Wasserstoffstrategie gesetzten Ziels von 5 Gigawatt bis 2030. Ein Augenmerk liegt auch auf dem zeitnahen Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur. Auf der Agenda steht der Aufbau von Wasserstoffleitungen mit einer Länge von rund 1.700 km. Ein Schwerpunkt der ausgewählten Projekte liegt auf der CO2-intensiven Stahlindustrie, bei der besonders viele Emissionen eingespart werden können.

Das Bundesverkehrsministerium fördert im Mobilitätssektor 12 Vorhaben. Diese betreffen die Entwicklung und Herstellung von Brennstoffzellen-Systemen und Fahrzeugen - vom Pkw über den LKW bis hin zu Kommunalfahrzeugen. Außerdem soll z.B. der Aufbau einer bundesweiten und grenzüberschreitend vernetzten Wasserstoff-Betankungsinfrastruktur gefördert werden

Vattenfall Wasserstoffprojekt Moorburg auf Shortlist
Zu den Projekten auf der Shortlist gehört z.B. das Wasserstoffprojekt "Hamburg Green Hydrogen Hub" von Shell, Mitsubishi Heavy Industries (MHI), Vattenfall sowie der kommunalen Wärme Hamburg. Mit dem Green Hydrogen Hub wollen die vier Unternehmen künftig gemeinsam Wasserstoff aus Wind- und Solarenergie am Kraftwerksstandort Hamburg-Moorburg erzeugen und im Umfeld nutzen. Neben der Errichtung eines Elektrolyseurs mit einer noch erweiterbaren Leistung von 100 MW soll auch untersucht werden, inwieweit die bestehende Infrastruktur des Standorts Moorburg künftig zur Energieerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien genutzt werden kann. Dabei sollen weiterführende Konzepte wie die notwendigen Logistikketten und Speichermöglichkeiten für Wasserstoff mitgedacht werden. Vorbehaltlich einer finalen Investitionsentscheidung kann die Erzeugung grünen Wasserstoffs nach jetzigem Planungsstand am Standort voraussichtlich im Laufe des Jahres 2025 beginnen.

Drei Wasserstoffprojekte aus Schleswig-Holstein ausgewählt
Auf der Shortlist von BMWi und BMVI stehen auch die drei Wasserstoff-Projekte Hyscale 100, Aquaventus und Hyperlink in Schleswig-Holstein:

Das geplante Projekt Hyscale 100 adressiert die großtechnische Wasserstoffproduktion und grüne Methanolsynthese zur Dekarbonisierung der Wertschöpfungsketten der beiden Großindustrien Petrochemie und Zement. Die Idee ist, großtechnisch grünen Wasserstoff zu produzieren und mit CO2 zu synthetischen Grundstoffen umzuwandeln. Zusammen mit einem auf diese Weise nachhaltig hergestellten Zement entsteht eine breite Produktpalette, aus e-Fuels, e-Chemicals und e-Methanol. Die Inbetriebnahme ist für 2025 bzw. für 2027 vorgesehen.

Ziel des Projektes Aquaventus ist es, mit Strom aus Offshore-Windkraftanlagen ebenfalls auf See installierte Elektrolyseure im industriellen Maßstab zu betreiben. Bis 2035 sind Elektrolyseanlagen in der Nordsee mit einem Gesamtvolumen von 10 Gigawatt geplant, bis zu 1 Million Tonnen grüner Wasserstoff sollen so erzeugt werden. Dabei dient Helgoland als zentraler Knotenpunkt. Von dort soll der Wasserstoff über eine zentrale Sammelpipeline an Land transportiert werden. Kooperationspartner von AquaVentus sind neben RWE unter anderem die Insel Helgoland, Reuther, Vattenfall, Shell, Gasunie, Siemens, Parkwind und MHI Vestas.

Bei dem Projekt Hyperlink geht es um die Einbindung von Wasserstoff in das Energiesystem durch die intelligente Nutzung vorhandener Ferngasleitungen. Bis 2025 soll nach Angaben von Jens Schumann, Geschäftsführer des Fernleitungsnetzbetreibers Gasunie Deutschland Transport Services, eine Verbindung wichtiger Produktions- und Speicherstandorte mit relevanten Absatzmärkten geschaffen werden, und zwar in Niedersachsen, in Bremen und Hamburg. Das Hyperlink-Vorhaben ist eng mit dem Projekt Clean Hydrogen Coastline verbunden und wird als ein wichtiger Bestandteil des europäischen Backbones eine Verbindung zwischen den Niederlanden, Deutschland und Dänemark schaffen.

Aufbau einer gemeinsamen europäischen Wasserstoffwirtschaft im Fokus
Die Förderung der deutschen Vorhaben erfolgt im Rahmen eines europäischen Projekts (IPCEI Wasserstoff) gemeinsam mit bis zu 22 europäischen Partnerländern. Die verschiedenen nationalen Projekte sollen so miteinander vernetzt werden, dass alle Länder voneinander profitieren und gemeinsam eine europäische Wasserstoffwirtschaft aufgebaut werden kann. Den Startschuss zu dieser Initiative fiel durch Bundeswirtschaftsminister Altmaier im Dezember 2020 im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Ziel ist es, dass noch im Jahr 2021 die Projekte von der Europäischen Kommission beihilferechtlich genehmigt werden können.


© IWR, 2021


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31.05.2021

 



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