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Bevölkerung will Energiewende, aber woanders

© Fotolia© FotoliaKöln, Potsdam - Zwei aktuelle Erhebungen zeigen, dass ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland die Energiewende insgesamt weiterhin befürwortet. Kritik gibt es allerdings an der Umsetzung, schwierig sind insbesondere die Maßnahmen vor Ort.

Grundsätzlich wird die Energiewende in der Bevölkerung begrüßt. Die erforderlichen Maßnahmen erzeugen jedoch Widerstand und werden abgelehnt. Das zeigen auch zwei neue Umfragen von Forsa und dem Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS).

Bevölkerung will Energiewende, aber woanders
Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der RTL-Mediengruppe eine aktuelle Umfrage zur Energiewende durchgeführt und hat dazu rd. 2.000 Personen befragt. Demnach befürwortet zwar eine Mehrheit der Deutschen die Energiewende, der von der "Kohlekommission" vorgeschlagene Ausstieg im Jahr 2038 dauert 50 Prozent der Bundesbürger allerdings zu lange.

Wenn es an die Umsetzung der für das Gelingen der Energiewende notwendigen Maßnahmen wie die Errichtung neuer Windenergieanlagen und den Bau von Stromleitungen geht, sinkt die Akzeptanz in der Bevölkerung allerdings deutlich. Nur 24 Prozent würden eine Windenergieanlage in ihrer Nachbarschaft ohne Einschränkungen akzeptieren. 43 Prozent würde das stören und 27 Prozent würden sogar aktiv dagegen protestieren. Ähnlich verhält es sich bei neuen Stromleitungen: Auch die würden in ihrer Nachbarschaft nur 30 Prozent akzeptieren, 43 Prozent würden sie stören und 19 Prozent würden dagegen protestieren.

78 Prozent der Bundesbürger befürchten, dass im weiteren Verlauf der Energiewende mögliche Steigerungen der Energiekosten vielen Haushalten Schwierigkeiten bereiten könnten. Nur 19 Prozent glauben, die Haushalte könnten höhere Energiepreise ohne weiteres verkraften.

"Die aktuellen Befunde bestätigen die seit vielen Jahren zu beobachtende Kluft zwischen dem hohen Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes im Bewusstsein der Menschen und ihrem tatsächlichen Verhalten. So wünschen sich z.B. zwar Viele Fleisch aus artgerechter Tierhaltung - doch die dann erforderlichen höheren Preise bezahlt kaum jemand. Ebenso hält man den Ausbau erneuerbarer Energien im Prinzip für wichtig - doch die dazu notwendigen Maßnahmen stoßen auf erheblichen Widerstand", so Forsa-Chef Prof. Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL.

Nachhaltigkeitsbarometer: Kritik an schleppender Umsetzung der Energiewende
Mit dem „Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende 2018“ hat auch das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam eine aktuelle Untersuchung zur Energiewende vorgelegt.

Die Ergebnisse der Umfrage unter knapp 7.000 Haushalten zeigen mit 90 Prozent Zustimmung zur Energiewende, dass ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland die Energiewende befürwortet. Und das quer durch alle Bildungs-, Einkommens- und Altersgruppen, gleichermaßen auf dem Land wie in den Städten. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als bei der Befragung 2017. Auch die Zustimmung zum Kohleausstieg ist mit knapp zwei Dritteln der Bevölkerung (64 Prozent, + 1 Prozent) hoch, wobei die Befürwortung in den östlichen Bundesländern geringer ausfällt als im Westen (51 Prozent zu 67 Prozent) und die Ablehnung leicht erhöht ist (18 Prozent Ost zu 11 Prozent Westen).

Eine deutliche Zunahme der Kritik ist nach IASS-Angaben allerdings beim Umsetzungsstand der Energiewende zu verzeichnen, der von 47 Prozent der Befragten negativ beurteilt wird (+ 14 Prozent). Unzufrieden mit der politischen Umsetzung der Energiewende durch die Bundesregierung ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung (61 Prozent, +12 Prozent). Als einen der wichtigsten Gründe für die Unzufriedenheit nennen 58 Prozent derjenigen, die mit der Energiewende unzufrieden sind, deren schleppende Umsetzung und damit eine fehlende Wirksamkeit beim Klimaschutz. Knapp über die Hälfte (52 Prozent) sieht eine unzureichende Berücksichtigung der sozialen Gerechtigkeit. Zurückhaltung zeigt sich bei der Bereitschaft, mehr für den Klimaschutz zu zahlen. Eine relative Mehrheit möchte dafür an anderer Stelle eine Entlastung.

Mit Blick auf den Umbau des Energiesystems zeigt sich bei der Windenergie, dass die Anzahl der Windenergieanlagen im unmittelbaren Wohnumfeld entscheidend für die Akzeptanz in der Bevölkerung ist. Hinsichtlich des Planungsprozesses von Windenergieanlagen spricht sich eine Mehrheit von 86 Prozent für die frühzeitige Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger aus. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung finden fast die Hälfte, dass eine stärkere Bürgerbeteiligung wichtiger sei als ein schneller Ausbau der Windenergie.

© IWR, 2019


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27.02.2019

 



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