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Energieeffizienz: Erneuerbaren-Verbände wollen Gebäudebestand stärker in den Fokus rücken

Berlin – Zwei Branchenverbände aus dem Bereich erneuerbare Energien haben zur Energieeinsparverordnung (EnEV) und zur Diskussion um die in der EnEV definierten Primärenergiefaktoren Stellung bezogen. Die Verbände reagieren damit auf eine Untersuchung des Wuppertal Instituts (WI), in dem die Weiterentwicklung der Primärenergiefaktoren vorgeschlagen wird, doch sie setzen den Hebel an anderer Stelle an.

Der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) und der Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP) sehen das zentrale Problem der Klimaschutzwirkung der EnEV weniger in der unzureichenden Klimaschutzorientierung der Primärenergiefaktoren. Vielmehr entfalte die EnEV kaum Wirkung für den wichtigen Gebäudebestand, obwohl das Gros der Energie genau dort verbraucht werde und nicht im Neubau. Wer die Klimaschutzwirkung der EnEV erhöhen will, müsse demnach beim Gebäudebestand ansetzen, so die zentrale Botschaft des BWP und des DEVP.

WI kritisiert insbesondere niedrige Primärenergiefaktoren wie beim Holz

Laut WI ist der Primärenergiefaktor in vielen Fällen kein geeignetes Maß zur Bestimmung der Treibhausgasemissionen eines Heizungssystems oder eines Endenergieträgers und habe damit in Bezug auf den Klimaschutz nur eine bedingte Lenkungswirkung. Insbesondere würden die niedrigen Primärenergiefaktoren wie z.B. bei Holz oder Strom ihre Steuerungswirkung verlieren, weil wichtige Aspekte wie beispielsweise die Ressourcenverfügbarkeit und Importabhängigkeit von Energieträgern außer Acht gelassen werden, so das WI.

Nur ein Mythos: Niedrige EE-Primärenergiefaktoren verursachen schlechte Gebäudehülle

Doch BWP und DEPV sind der Auffassung, niedrige Primärenergiefaktoren führen nicht dazu, dass die EnEV ihre Steuerungswirkung hin zu energieeffizienten Gebäuden verliert. Dies ist aus Sicht der beiden Verbände "schlicht falsch". Martin Bentele, Geschäftsführer des DEPV: "Der Mythos, durch niedrige Primärenergiefaktoren erneuerbarer Energien würden Gebäude mit einer schlechten Gebäudehülle gebaut, wird durch ständige Wiederholung nicht wahrer."

Die EnEV sehe neben einem niedrigen Primärenergieverbrauch als Hauptanforderung immer auch die Einhaltung von Mindestanforderungen an die energetische Qualität der Gebäudehülle und damit an den Wärmeschutz vor. „Es ist unzulässig, Gebäude mit einer ‚energiedurchlässigen‘ Gebäudehülle zu bauen. Wenn man der Meinung ist, dass die Nebenanforderung an den Wärmeschutz nicht anspruchsvoll genug sei, dann sollte man hier eine Verschärfung fordern, anstatt die niedrigen Primärenergiefaktoren der erneuerbaren Energien zu beklagen“, so Bentele weiter.

EE-Strom für Wärme und Verkehr: BWP spricht sich für "Sektorkopplung" aus

Karl-Heinz Stawiarski, Vize-Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) und Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP): „Die Umstellung unserer Stromversorgung auf Erneuerbare Energien ist eine Erfolgsgeschichte. Die Kosten dafür tragen die Stromkunden. Parallel zum Ausbau von Photovoltaik und Windkraftanlagen muss sich selbstverständlich auch der Primärenergiefaktor für Strom verbessern.“ Eine stärkere Nutzung des sauberen Energieträgers Strom im Wärme- und Verkehrssektor ist politisch gewollt: Unter dem Schlagwort „Sektorkopplung“ fordern Wissenschaftler und Energiepolitiker eine bessere Verknüpfung zwischen Strom- und Wärmesektor. Und auch im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass der sogenannte Überschussstrom einer sinnvollen Verwendung im Wärmemarkt zugeführt werden soll.

Diskussionswürdig finden DEPV und BWP die Feststellung des WI, dass die Primärenergiefaktoren teilweise nicht konsistent festgelegt sind. Eine strikte Ausrichtung der nicht-erneuerbaren Primärenergiefaktoren am Klimaschutz und damit an den CO2-Emissionen könnte in der Tat energie- und klimapolitisch sinnvoll sein. Auch die Idee, CO2-Emissionen nach österreichischem Vorbild verpflichtend im Gebäudeenergieausweis auszuweisen, findet bei beiden Verbänden Zustimmung.

© IWR, 2016

04.03.2016